Unsicher ohne Publikum

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Das Jahr 2020 war mit Hinblick auf Konzerte oder Auftrittsmöglichkeiten nun wirklich kein großer Wurf! Wir hatten mit Soul7, meiner Soul Coverband hier in Köln, einige wirklich super coole Termine, auf die wir uns schon sehr gefreut haben! Es schien, als würde sich das wöchentliche Proben, die vielen Anrufe, die Absagen und das Dranbleiben endlich auszahlen und wir, trotz „Spartenmusik“, viele Auftritte spielen. Naja, es kam dann doch alles anders, als gedacht! Zwei Konzerte waren uns dann doch vergönnt und die haben wir mit Leidenschaft und Spaß performt!

Neben meiner Liesblingsband Soul 7, stehe ich auch ab und zu gemeinsam mit meiner Mutter auf der Bühne. Sie spielt Klavier und ich singe dazu – eine intime und schöne Art des Musikmachens, die ich neben den wilden Auftritten mit Soul 7 sehr schätze!
Nun stehe ich, wie der Name es vermuten lässt, mit dieser Coverband nicht alleine auf der Bühne. Sechs weitere Musiker, inklusive zweier unglaublicher Sängerinnen, teilen sich mit mir das Feld und wir spielen uns gegenseitig die Bälle zu. Nicht so, im Duo mit meiner Mutter. Ich bin daher vor solchen Auftritten, die wir nur zu zweit spielen, immer wesentlich nervöser, obwohl wir meist vor deutlich kleineren Publikumsmassen stehen.

Auftritte, welche ich mit meiner Mutter spiele, sind fokussierter und konzentrierter. Das gilt nicht nur für uns beide als Musiker, sondern auch für das Publikum, welches meist sitzend den jazzigen Tönen lauscht. Die Intensität der Songs und der Ausdruck der Geschichten, machen hier das Erlebnis aus. Und so auch die Reaktionen des Publikums. Interpretiert man den Schmerz eines Songs wie: „Sorry seems to be the hardest word“, so möchte man in Gesichter schauen, die diesen Schmerz nachempfinden können, die verständnisvoll nicken, die Augen schließen oder vielleicht sogar ein Tränchen verdrücken. Ein Moment der Stille nach dem letzten Ton, bis anerkennender Applaus einsetzt und die Spannung des Gehörten auflöst…

Mir ist im vergangenen Dezember klar geworden, wie wichtig alle diese kleinen Elemente eines Auftritts für mich als Sängerin sind. Am 12. Dezember 2020 durfte ich Teil der Veranstaltung „Stadtgesichter“ in Köln sein. Gemeinsam mit dem LifeLab am Ebertplatz, wurde eine Plattform für Künstler geschaffen, um live über Twitch vor einem virtuellen Publikum zu performen. Obwohl ich selbst im Social Media Bereich tätig bin, sollte dies mein erstes Streamingkonzert werden. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit dort aufgetreten sein zu dürfen und würde es immer wieder tun aber ich muss zugeben, dass mich ein Gefühl mit diesem Konzert verbindet, das ich schon lange nicht mehr auf der Bühne verspürt habe – Unsicherheit.
Es waren keine Gesichter da aus denen ich Reaktionen hätte ablesen können. Ist meine Performance langweilig? Berühren die Töne und Texte jemanden? Singe ich schief?
Ich hatte mir diese Fragen schon lange nicht mehr gestellt, da ich in meinem Auftreten über die Jahre sehr sicher geworden bin. Diese Sicherheit kam aber offensichtlich nicht nur durch mich selbst, sondern auch ganz Maßgeblich durch die Reaktionen und das Feedback des Publikums.

Zugegebenermaßen, war ich mit meinem Auftritt nicht sehr zufrieden. Ich habe meine Unsicherheit gespürt und Menschen, die mich schon oft auf der Bühne erlebt haben, spiegelten mir eine ähnliche Beobachtung. Nichtsdestotrotz bin ich für diese Erfahrung sehr dankbar und wir hatten einen sehr schönen Abend!
Für das nächste Mal bin ich emotional gerüstet und weiß nun, worauf ich mich konzentrieren muss. Ich denke es ist unter solchen Umständen umso wichtiger, sich Bilder vorzustellen, die den Song unterstützen und einem helfen, die Emotionen des Stücks authentisch rüberzubringen. Doch ein echtes Publikum wird auch das nicht ersetzen können!

Auf das wir in diesem Jahr wieder in freudige, traurige, extatische und fröhliche Gesichter schauen können, während wir in Wort und Tönen Geschichten erzählen. Ich freue mich sehr darauf! 🙂

Bleibt zuversichtlich! Eure Felicia